Bodo Wartke - König Ödipus

Zu Weihnachten bekam ich eine Einladung zu dem Theaterstück "König Ödipus" von Bodo Wartke geschenkt. Alle 14 Rollen sollten von ihm selbst gespielt werden, was in meiner Vorstellung wie der pure Klamauk daher kam.

 

Da dachte ich, froh zu sein, die 17,50 Euro nicht selbst bezahlen zu müssen. Mal ehrlich, wer jemals ein Reklamheft in den Händen gehalten hat weiß, dass jene Theaterstücke entweder mit einer langweiligen Quälerei oder buntem Augentod zu tun haben... 

...okay, bis auf damals Hamlet, der im Hamburger Schauspielhaus von Ulrich Tukur gespielt wurde. Als da die Maschinengewehre losschossen, war ich mit meinen 16 Jahren sehr wach gewesen. Gut, Romeo und Julia mit dem Motorrad auf der Bühene waren auch nicht schlecht...

Aber das ist lange her.

 

Wer hätte da gedacht: Bei dem, was ich gestern in Buxtehude auf der Halepaghen-Bühne zu sehen und hören bekam, hätte ich sicher auch das Doppelte bezahlt!

 

Grandios, beeindruckend, absout begeisternd!

Gebt dem Mann eine Bühne und ein Mikrophon, mehr braucht er nicht.

 

Bodo Wartke beeindruckte mit Wortwitz und vielseitigem Einsatz seiner sehr angenehmen Stimme, bewegte sich dabei gewandt über die Bühne, als stünden tatsächlich stets mehrere Personen dort und nicht ein und derselbe Mann, der lediglich die Position seines Caps und die Körperhaltung wechselte. Er rappte, reimte, sang und sprach, dass dabei vollkommen in Vergessenheit geriet, wie dröge Ödipus in seiner ursprünglichen Form eigentlich ist.

Die musikalischen Einlagen am Konzertflügel lockerten das Ganze auf - ich wünschte, ich hätte nur einen Bruchteil seines Talents.

 

Über zwei Stunden vergingen auf diese Weise wie im Flug. Für mich eine große Bereicherung, diese Show des Allround-Talents gesehen zu haben!

 

Einziger Wermutstropfen war mal wieder das Publikum. Die allgemeine Stimmung war riesig (alles andere wäre seltsam gewesen), doch mitten im zweiten Teil stand eine Gruppe Jugendlicher auf und verließ den Saal. Vielleicht mussten sie einen Bus kriegen? Oder ihre Ausgangssperre zwang sie zum Aufbruch? Es war jedenfalls sehr störend! Und dann das typisch deutsche Flüchten, um als erster beim Auto zu sein, obwohl der Künstler noch mit Applaus und Standingovations belohnt wurde. 

 

Fazit: Bodo Wartke werde ich sicher noch öfter live sehen, weil mich selten etwas so begeistert hat wie diese grandiose Leitung gestern Abend in Buxtehude auf der Halepaghen-Bühne.

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