Schreiben - ein Lebensgefühl

Foto: Gina Simpson
Foto: Gina Simpson

Wenn man mich fragt, wann ich angefangen habe, zu schreiben, dann denke ich sofort an meine Teenager-Zeit zurück. Mit sechzehn vollendete ich meine erste Geschichte, die mit Fug und Recht für immer unter Verschluss gehalten werden wird!

Aber ich weiß heute noch, was für ein erhebendes Gefühl es war, erstmals den letzten Satz zu schreiben. Damals wie heute schrieb ich in erster Linie, um eine Geschichte zu erzählen, nicht um damit reich und berühmt zu werden.

 

Die Kreativität ist stets ein konstanter Wegbegleiter, undenkbar, irgendwann mit dem Schreiben oder Zeichnen aufzuhören. Erfahrungen, Empfindungen und Fiktion zu etwas gänzlich Neuen zu verknüpfen ist faszinierend und mit fortwährenden Herausforderungen verbunden. Das Leben ist so inspirierend, wenn man seine Augen aufmacht. Und statt alles zu bewerten und in Schwarz und Weiß aufzuteilen, kann man die Energie entdecken, die in allem steckt. Ich rate auch jedem davon ab, von einer Geschichte auf den Autoren zu schließen, weil man niemals wissen kann, wo persönliche Erfahrungen enden und Fiktion anfängt. Katharina Weißbach-Hempel sagt in ihren Seminaren gerne, dass alles, was ein Autor schreibt, biografisch ist, weil es aus dem Innern kommt. Lebenserfahrungen, Beobachtungen, Gelerntes, Meinungen, Verstand und Logik – alles ist das Handwerkszeug eines Autors.

Was nicht bedeutet, dass man jemanden umbringen muss, um einen Mord zu beschreiben, oder dass man das Potenzial dazu hätte, im nächsten Moment aus Habgier über Leichen zu gehen. So kann ich beispielsweise erlebten Liebeskummer in die Schmach einer öffentlichen Erniedrigung transformieren, die in meiner Geschichte zum Motiv für weitere Handlungen wird.

 

Das macht den Reiz für mich aus, wenn ich in die Abgründe meiner Charaktere abtauche, unter ihnen Helden und in den Bösewichten Menschlichkeit finde.

 

Das Leben schreibt unsere Geschichte. Meine ist inzwischen schon ein kleiner Roman. Höhen und Tiefen, Erfolge und Misserfolge – sogar eine Zeit, in der kein Platz mehr für die Kreativität war (siehe Artikel unter dem Menüpunkt Presse). Doch wie die Überschrift schon sagt: Schreiben ist ein Lebensgefühl.

 

Meine Aufgabe war damals, genau dieses Lebensgefühl wiederzufinden und ihm mehr Raum zu schenken. Aus einem vermeintlichen Hobby wurde mehr. Ich lernte das Handwerk, setzte mich mit richtiger Textarbeit auseinander und begann, mit Kritik richtig umzugehen. Ich schreibe um des Schreibens Willen, aber mit einer wachsenden Achtung vor dem reifenden Text. Anfangen können viele, aber etwas zu Ende zu bringen, ist eine Leistung. Besonders Frauen neigen dazu, ihre eigenen Leistungen unter den Scheffel zu stellen, dabei beginnt Anerkennung immer bei einem selbst. Wenn ich mich selber anerkenne, bin ich mit meinem Tun und meinen Wünschen viel sichtbarer für meine Mitmenschen.

Ich glaube daran, dass jeder Mensch ein Talent besitzt. Egal ob im künstlerischen, sozialen, akademischen oder sportlichen Bereich. Ich muss nicht gucken, was andere können, um einen Maßstab für mich zu finden. Wichtig ist, dass das, was ich mit Leidenschaft ausübe, von mir als wichtiges Element in meinem Leben wertgeschätzt wird. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Bewertungs-Teufelskreis geht schon in der Kindheit los.

 

Man sollte niemals hinterfragen, ob man die Berechtigung hat, das zu tun, was man tun will (solange es niemanden schadet). Wenn man schreiben will, dann schreibt man. Ob es am Ende zu einem fertigen Buch in einem Verlagsprogramm führt, sollte nicht im Vordergrund stehen, wenn man sich ganz am Anfang befindet. Erst einmal fertigschreiben und herausfinden, ob man das Handwerk richtig lernen möchte.

 

Ich singe gerne. Ob nun Karaoke oder beim Autofahren. Das ist ebenfalls etwas, das ich niemals aufgeben möchte, aber deswegen gehe ich nicht sofort ins Studio, um eine CD aufzunehmen. Ich möchte nicht lernen, wie ich richtig atme, die Töne perfekt treffe oder wie Songs aufgebaut sind – ich will einfach nur Spaß am Singen haben. Und wer weiß, vielleicht kommt trotzdem irgendwann der Tag, an dem es zusätzlich auch von Nutzen sein kann...

 

Beim Schreiben habe ich mich nach Jahren des reinen Schreibvergnügens für das Erlernen des Handwerks entschieden. Mein Ratgeber ist inzwischen sehr erfolgreich und mein Krimi liegt beim Agenten und wartet auf Antworten der Verlage.

 

Das Zusammenspiel aus Fleiß und Herzblut wird meist am Ende Gefühl der Zufriedenheit belohnt, wenn das Manuskript dann endlich aus den Händen gegeben werden kann. Qualität und Idee, Zeitgeist, Verlagsprogramme und individuelle Geschmäcker der zuständigen Mitarbeiter spielen eine Rolle, ob ein Manuskript den letzten Schritt zum fertigen Buch schafft. Manchmal will gut Ding auch Weile haben, aber nichts und niemand könnte mich je wieder davon abhalten zu schreiben.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Andreas (Mittwoch, 30 Januar 2013 18:53)

    Ich schrieb es ja bereits auf Facebook:
    Einerseits ein sehr gelungenes Foto und größten Respekt an Modell und Fotografin.
    andererseits ein Artikel, den ich sehr treffend finde.
    Ich habe definitiv nicht das durchgemacht, was du durchgemacht hast, aber geht es mir bezüglich des Schreibens doch oft ähnlich und auch die Gedanken sind sehr identisch. So konnte ich nur nicken und leise *japp* vor mich hinmurmeln.
    Ich bewundere deine Kraft, deinen Mut und deinen offenen Umgang mit allem. hinzu kommen einfach die richtigen Worte, finde ich!
    Ich überlege mir derzeit auch, ob ich nicht noch etwas *professioneller* dieses handwerk erlenen sollte. Ich lese viel und belese mich auch viel, aber Theorie ist da eine Sache...u sasgt es so schön: fertig werden und das nicht nur mit kleinen Kurzgeschichten ^^.

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