Sartre in Leipzig

Ich bin ganz ehrlich, als mich ein Freund zur Aufführung seiner Theatergruppe einlud, habe ich nicht all zu viel erwartet. Eine solide Aufführung engagierter Menschen, die alle ein gemeinsames Hobby haben.

 

Sartre stand auf dem Programm. „Das Spiel ist aus“

http://www.neues-schauspiel-leipzig.de/details/jugendtheater-das-spiel-ist-aus-nach-jean-paul-sartre,380

Immerhin etwas, das ich noch nicht kannte, was immer erfrischend ist. Schon der Weg zum Hinterhoftheater war ein besonderes Erlebnis, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich dort irgendwo ein Theater verstecken würde. Die umfunktionierte, alte Druckerei versöhnte mich dann für das anfängliche Live Krimi-Gefühl, weil schon das Lokal „Tante Manfred“ genau meinen Geschmack traf. Wenn man sich nicht gerade an Zigarettenrauch stört, kann man es sich auf alten Sofas gemütlich machen und die Mischung aus Industrienachbleibseln, moderner Kunst und angenehmen Kerzenscheinambiente betrachten.

Die Schauspieler wärmten sich nebenan im Theater auf, was an sich schon sehr hörenswert und neugierig machend war. Und dann füllte sich das Lokal. Es war meines Wissens der zweite Spieltag und die Vorstellung war komplett ausverkauft.

 

Ich ergatterte einen Platz in der ersten Reihe. Das Licht ging aus und eine schwarzgekleidete Frau mit einer weiß leuchtenden Laterne und starrem Blick schritt durch den Mittelgang der Sitzreihen. Die ersten Rufe der Aufständischen ertönten und der Verräter betrat jammernd die Bühne. Das war der Moment, in dem ich mich begeistert in meinen Sitz kuschelte und wusste: Hier sind keine Laien am Werk, das sind Profis.

Professionelles Makeup, passende Kleider, großartige Frisuren und hemmungslose Spielfreude. Ich sage „hemmungslos“, weil ich bei vielen Theatergruppen immer wieder gesehen habe, dass bestimmte Grenzen nicht überschritten werden konnten, das war hier nicht der Fall. Die Figuren kamen einander nahe, brüllten sich an - ja sogar nach einem opulenten Mahl sprang der Regent auf und schrie seinem Untergebenen ins Gesicht - Pirerre spuckte ich tiefer Abscheu auf den Boden. Es war ein Traum, weil diese Emotionen und das Drama erlebbar transportiert wurden. Neben mir saß eine Frau, die tatsächlich am Ende nicht mehr aufhörte geräuschvoll auf ihren Nägeln zu kauen.

Besonders haben mir die Choreografien bei Ebenen übergreifenden Dialogen, die szenischen Bühnenumgestaltungen und der Humor im Totenreich gefallen. Dafür ein dickes Lob an die Regie! Auch die akustischen Einspielungen waren sehr gut gewählt.

Somit wären meine einzigen Kritikpunkte ein paar Anmerkungen zum Stück selbst, aber um die an den richtigen Adressaten zu richten, müsste ich wohl Jean Paul Satre aus dem Totenreich bitten.

 

Die Leistungen aller Beteiligten haben mich schwer begeistert. Kleine Patzer wurden gekonnt überspielt. Für mich war es ein durch und durch gelungener Abend.

 

Bravo!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Briefgestöber Newsletter

* indicates required
Instagram

Egmont Lyx Verlag:

Unter dem Pseudonym Sanne Averbeck - ET 16.2.17

Aufbau Verlag:

dotbooks Verlag: