Das kleine Horror-Interview mit Hanka Jobke

Liebe Hanka, du bist erfolgreiche Lektorin, Goldmarie, Sprachwächterin, fleißiges Bienchen, immer mal Jurymitglied bei Preisverleihungen – und Horrorautorin. Bei allen Genres, die du während deiner Tätigkeit genauestens unter die Lupe nimmst, warum schreibst du ausgerechnet Horrorgeschichten?

 

Das liegt ganz allein an den Methoden der Verlegerin. Würde sie mir mal Blumen schicken statt toter Tiere oder einen Vertrag parfümieren statt mir ein Stilett an den Hals zu halten, würde ich vielleicht auch mal was über Feen schreiben. Was Liebevolles. Mit Glitzer. Und schön.

 

In welchen Genres würdest du dich noch gerne austoben?

 

Ich arbeite an einem Märchen mit Feen. Und Glitzer … Moment, der Bote bringt gerade ein Päckchen … Okay, es wird wohl eher was über Todesfeen. Und Zahnfeen. Und Wechselbälger. 

 

Du hast ja nicht nur Geschichten für AUS DUNKLEN FEDERN 1 & 2 geschrieben, du hast auch beide Anthologien lektoriert. Nimmst du von dem Grusel was mit oder lässt dich das völlig kalt?

 

Grusel ist erst dann wirklich gut, wenn er einen kalt werden lässt, oder? 

 

Noch eine Frage an die Lektorin: Welcher sprachlicher Fehler nervt dich derzeit besonders?

 

Mein derzeitiger Liebling ist der Starrsinn. Die liebsten Gesten von Figuren sind visueller Natur: Es wird dauernd etwas angesehen, sich umgeschaut, mit den Augen gerollt, sie zusammengekniffen, man lässt Blicke schweifen und ruhen und so weiter … Doch leider geht der Trend weg vom Sehen und Schauen und Schweifen zum Starren: Er starrte sie fassunglos an, sie starrte erstarrt aus dem Fenster, und von hinter der Scheibe starrte wahrscheinlich irgendetwas zurück. Haben Sie auch gerade ein Bild voller Glotzäugiger vor sich? Möchten Sie ihnen gern ein paar Augentropfen reichen? Ich schon, denn starren meint das starrende Blicken auf etwas. Man braucht dafür eine Fokussierung und auch ein bisschen Zeit – etwas, was in den meisten Szenen, in denen gestarrt wird, nicht zur Verfügung steht. Ähnlich allergisch reagiere ich auf Erstarrungen, welche Figuren gern in Szenen überfällt, in denen still stehen eine ganz miese Idee ist. Und wer jetzt denkt, das würde irgendwie Spannung generieren, dem möchte ich sagen: Nö. Höchstwahrscheinlich ist das nur ein Klischee, welches meinen Rotstift nicht überleben wird.

 

Bei so viel Mäkelei – welchen Horrorroman würdest du denn empfehlen?

 

Mein Lieblingshorror ist der schleichende Grusel: das Versteckte in den Schatten, wo keine Schatten sein sollten, das Verdrängte in der Seele, die zu viel erfahren hat, das Böse, was einen berührt, obgleich es nicht fassbar ist. All dies findet man samt guter Sprache in Isa Grimms schaurigem Roman KLAMMROTH. 

 

 

Mehr Informationen über Hanka Jobke und ihre roten Stifte findet ihr hier: www.lektographem.de

 

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