Das freche Horror-Interview mit Sonja Rüther - Hanka Jobke fragt:

Sonja, du bist Initiatorin, Autorin und Verlegerin der Anthologien AUS DUNKLEN FEDERN 1 & 2. Machst du dir die ganze Arbeit nur, weil deine schaurigen Geschichten kein anderes Zuhause fanden?

 

Um ehrlich zu sein, mache ich es eher, um hemmungslos Zombies zeichnen zu können. Und weil es Spaß macht, mit Profis zusammenzuarbeiten. Angefangen bei den Autorinnen und Autoren über die Lektorin, die Setzerin, die Grafikerin bis hin zu den Mitarbeitern der Druckerei und natürlich dem dotbooks Team. Direkter kann man den Werdegang einer Idee zum fertigen Buch nicht miterleben.

 

Man sagt dir nach, dass du ein sehr freundlicher, hilfsbereiter Mensch seist, du hörst gar auf den Spitznamen "Sonne". In deinen Horrorgeschichten jedoch lauert der Ekel, in deinen Thrillern geben sich Psychopathen die Klinke in die Hand. Sollten wir dich in Zukunft eher "Schwarze Sonne" nennen?

 

Auch wenn Schwarz meine Lieblings(nicht)farbe ist, reicht Sonne vollkommen. Ich finde, Sonne und dunkelste Schatten passen doch gut zusammen. Poetisch gesehen, könnte man sagen, ich beleuchte Dinge, um ihre dunklen Seiten zu zeigen. 

Spaß beiseite. Zombies und subtiler Ekel sind für mich nur so lange faszinierend, solange ich beides auf sterile Seiten bannen kann. Es ist wie bei Märchen das Gedankenspiel mit diesen Themen, die man definitiv keinen Moment in der realen Welt erleben möchte, das einen gewissen Reiz ausübt. Und es ist mir eine diebische Freude, wenn ich den Nerv bei anderen treffe.

Die Psychopathen meiner Thriller sind eine Auseinandersetzung mit den menschlichen Abgründen, die in jedem von uns schlummern. Wer keinen Hass, rasende Eifersucht, Mordlust oder ähnliches empfindet, sollte kurz ein wenig Dankbarkeit einräumen, weil seine Triggerpunkte nicht aktiviert wurden.

 

Als Verlegerin der DUNKLEN FEDERN akquirierst du namhafte Kollegen, mit denen du gern arbeiten möchtest. Bitte erzähl uns eine kleine Anekdote, wie du einen dieser Schriftsteller zum Horror verführtest.

 

Mein Anwalt sagt, ich solle auf keinen Fall antworten. Ich verrate nur so viel: unblutige Subtilität und bestialisches Timing spielen dabei eine Rolle. 

 

Die DUNKLEN FEDERN sind auch innerhalb der Branche gut angekommen, und kurz danach hatten einige Anthologien recht ähnliche Titel. Welchen findest du am lustigsten oder schaurigsten?

 

Es ist jedenfalls recht "dunkel" und "federig" in der Anthologienwelt geworden, das ist auch gut so und liegt bei diesem Genre einfach nahe. Ich finde das super und es sind tolle Titel mit großartigen Autoren dabei.

 

Kurzgeschichten werden gerne als Königsdisziplin bezeichnet, aber wenn es um Anthologien geht, rümpfen viele Fachleute die Nase, weil damit kein Geld zu verdienen sei. Wenn man wirtschaftlich denken muss, kann ich das verstehen, aber für diese schillernde Facette der Literaturwelt sollte man immer ein Plätzchen frei halten. Deswegen mein Aufruf: lasst Euch begeistern von der Vielfalt und unterstützt die Herausgeber und Autoren mit dem Kauf der Bücher, damit es noch sehr viele davon geben wird!

 

Was den lustigsten Titel angeht: Auch wenn er so ganz anders als AUS DUNKLEN FEDERN ist: Das Vermächtnis des Wanderschranks. Aber ich fürchte, dass ich mich dabei verlesen habe, ich kann ihn nämlich nicht wiederfinden.

 

Und zum Schluss noch eine private Frage: Was genau läuft da zwischen dir und den Zombies, die du so gern zeichnest?

 

Bei Facebook würde ich jetzt den Beziehungsstatus "Es ist kompliziert" einstellen. Einerseits sind Zombies der Inbegriff von Gleichberechtigung. Egal ob jung, alt, dick, dünn, reich, arm, Mann, Frau, Christ, Islamist, Jude, Moslem, schwarz, weiß, rosa, Ignorant, Egoist oder Helferlein (etc. etc. etc.): Ein Biss und sie sind alle gleich. Sowas in friedlich und weniger ekelig ... wow, Weltfrieden.

Andererseits fasziniert mich die psychologische Komponente, die eine menschliche Angst behandelt: Ein geliebter Mensch wird von Fremden infiziert und richtet sich gegen einen, um einen zu verletzen und bei lebendigen Leib aufzufressen. Vollkommen von Sinnen und ohne Verstand. Wenn man Blut und Ekel wegnimmt, hat man einen Psychothriller. Bei Zombies ist das eben sehr überzogen und in eine Massenbewegung verpackt.
In meiner Geschichte Peter in AUS DUNKLEN FEDERN 2 behandle ich die Zombiethematik mal ganz anders, eher gesellschaftskritisch. Da steht mehr die Vereinsamung im Fokus.

 

 

Weitere Einblicke in das Verhältnis von Sonja zu Zombies, zum Schreiben und wie sie Autoren auch noch dazu bringt, ihr Wissen an Nachwuchsautoren weiterzugeben, findet ihr bei www.ideenreich-kreativhof.de und hier bei www.briefgestoeber.de

 

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